Diözesan-Caritasverband Görlitz, 03.01.2018

Malteser Krankenhaus St. Carolus investiert

Projekt zur integrativen Behandlung von Demenzpatienten

Ein Viertel aller Bewohner Sachsens ist über 65 Jahre alt. Im Malteser Krankenhaus sind es mehr als die Hälfte der Patienten. Je älter ein Mensch wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Demenzerkrankung. „Die Malteser haben deshalb ihre Strategie auf Altersmedizin, Palliativmedizin und Demenzbetreuung ausgerichtet. Eine eigene Fachstelle schult die Mitarbeiter in den Malteser Kliniken,“ erklärt Pflegedirektorin Daniela Kleeberg. Durch die Zunahme der älteren und alten Patienten steigen die Anforderungen an die Pflege. Das Malteser Krankenhaus St. Carolus hat jetzt ein Modellprojekt zur integrativen Behandlung von Demenzpatienten im Krankenhaus gestartet.

Mit einem Investitionsvolumen in 6-stelliger Höhe werden seit Herbst 2017 mehrere Stationen renoviert und umgestaltetet sowie die ambulante Versorgung ausgebaut.

Auf Station 4 spielt ab sofort die Signalfarbe Rot eine besondere Rolle. Das Durchschnittsalter der Patienten ist hier besonders hoch. Viele mehrfachkranke (multimorbide) Patienten werden versorgt. Die signalroten Schalter, Griffe und sogar Toilettensitze in den 2-Bett-Zimmern erleichtern die Orientierung von Patienten mit Demenz. Üblicherweise sind Lichtschalter in Kliniken weiß wie die Wand und für demente Patienten, die ihre Umgebung nur eingeschränkt wahrnehmen unsichtbar. Neu ist auch: In den Nasszellen hängt ein Notrufknopf zentral von der Zimmerdecke. Dieser ist von überall erreichbar, auch, wenn ein Patient stürzt und auf dem Boden liegend Hilfe herbeirufen möchte.

Für Menschen mit Demenz ist eine Krankenhaus-Behandlung oft mit einer Verschlechterung der Demenzsymptome verbunden. Positive Effekte haben spezielle Stationen, die mit spezialisierter Versorgung auf Menschen mit Demenz eingehen. Das zeigte eine Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), die u.a. auf Daten der Demenzstation des Malteser Krankenhaus St. Hildegardis in Köln beruht. Mobilität, geistige Fähigkeiten und die Alltagskompetenz der Patienten verbesserten sich während des Aufenthaltes dort deutlich. „Um Patienten mit Demenz gerecht zu werden, reicht es nicht, sie in hübsch gemachten Zimmern unterzubringen," erklärt die Leiterin von Station 4, Adina Halaris. Angehörige werden aktiv in die Betreuung eingebunden. Sie füllen ein Biografieblatt aus, das Gewohnheiten und besondere Ereignisse der Patienten vermerkt. Malzeug und ein Mensch-Ärgere-Dich-nicht-Spiel stehen zur Beschäftigung bereit. „Klare Informationen und viel Empathie helfen, das Krankenhaus nicht als bedrohlich wahrzunehmen," erläutert Frau Halaris. Die Patientenzimmer sind eindeutig gekennzeichnet, neben Ziffern erleichtern Bildmotive der Stadt Görlitz die Orientierung. Auf allen Stationen im St. Carolus dienen farbige Pfeiler den Patienten als Richtungsweiser: Grün indiziert den Weg zum Ausgang, Gelb ist die Eingangsfarbe.

Die Renovierungsarbeiten im Malteser Krankenhaus St. Carolus sind noch nicht abgeschlossen. Im Januar eröffnet eine Kurzliegerstation, auf welcher parallel Patienten der Fachgebiete Inneres, Urologie und Chirurgie betreut werden, deren Aufenthaltsdauer weniger als 5 Tage beträgt. Das chirurgisch-medizinische Versorgungszentrum im St. Carolus empfängt ab Februar in frisch gestalteten Räumlichkeiten im Erdgeschoss seine Patienten.

Bildunterschrift: Station 4 im Malteser Krankenhaus St. Carolus. Stationsleiterin Schw. Adina Halaris vor einem Patientenzimmer mit der neuen Beschriftung aus Ziffern und Bilder.

(Foto: Malteser/Hänsch)

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